Lucie Rico, Drehbuchautorin und Filmregisseurin, hat sich mit ihrem ersten Roman "Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen" (Originaltitel: Le chant du poulet sous vide (P.O.L, 2020) als originelle Stimme im literarischen Bereich etabliert.
Dieser Roman folgt keineswegs den üblichen Codes des Öko-Genres, sondern lässt die Leserschaft in eine atemlose Handlung eintauchen, in der sich psychologische Spannung mit Umweltbedenken vermischt. Anhand der Geschichte hinterfragt Lucie Rico, wie moderne Produktionssysteme sowohl die Lebewesen als auch das menschliche Bewusstsein entmenschlichen und eine Kluft zwischen den Verbrauchern und der Realität des Tierleids schaffen. Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen geht über die bloße Anprangerung der industriellen Produktionsbedingungen hinaus; es gibt dem Huhn eine Stimme, dieser Kreatur, das oft auf ein einfaches Produkt reduziert wird und erfindet ihm eine persönliche Identität, die der von menschlichen Charakteren würdig ist.
Dieses Autorinnengespräch bildet den Abschluss unserer Veranstaltung anlässlich des deutsch-französischen Tages Fest der Reste.
© Folio Gallimard
© Wiktoria Bosc